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Michael Breer       

Bruder Schatten,      
Schwester Licht
       

 

2006. 120 Seiten      
Paperback   € 9,90. SFr 18,10       
ISBN 3-8301-0892-3       
edition fischer       

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Großer Vater

  

Das eine Licht, welches die ganze Welt erhellt,

dich sehe ich, in jedem Leuchten und in jedem Blitz.

 

Großer Vater

 

Schöpferischer Funke, der alles durchdringt,

dich fühl ich in der Mitte meines Herzens.

 

Großer Vater

 

Energie, die sich unerschöpflich in das All ergießt,

in mir und rundherum erlebe ich dein Wirken.

 

Großer Vater

 

Sonnengott,

der sich in Balder zeigt,

in Agni, Ra, Apollon...

und in den alten Weisen.

Ich höre deinen Ruf und bin bereit,

bin hier, ein Bote deines Lichtes.

 

Großer Vater

 

Ich bin hier, in deinem Licht.

 

Ich danke dir und ehre dich.

 

 

 

Große Mutter

  

Mit jedem Atemzug durchströmst du mich, dein Leben.

Ich rieche deinen Atem, frische Luft, mit jedem Zug.

 

Dich schmecke ich, in jedem Schluck, in jedem Bissen.

Du gibst mir Nahrung, mein Fleisch ist aus deinem.

  

Große Mutter

 

Dich höre ich, im Singen deiner Kinder.

Die Schönheit ringsum flößt mir Ehrfurcht ein,

vor Dir, vor der Natur und vor dem Leben.

 

Ich spüre dich, in jeder Faser meines Körpers.

Dein Blut, dein Saft in meinen Adern,

du in mir und ich in dir.

 

 Große Mutter

 

Dein Puls tönt durch das Schlagen meines Herzens.

In deiner Liebe öffne ich mich, bin verbunden,

ein Kind von dir, wie alles Leben, deine Liebe.

 

In deinem Schoß bin ich geborgen,

fühl mich getragen und gehalten,

komm aus dir, kehr in dich heim.

 

 Große Mutter

 

Ich ehre dich und danke Dir.

 

Will mich ganz Dir hingeben,

will für Schönheit leben, für das Leben.

 

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 Gedichte anderer Dichter:

 

 

Der Schauende

 

Ich sehe den Bäumen die Stürme an,

die aus laugewordenen Tagen

an meine ängstlichen Fenster schlagen,

und höre die Fernen Dinge sagen,

die ich nicht ohne Freund ertragen,

nicht ohne Schwester lieben kann.

 

Da geht der Sturm, ein Umgestalter,

geht durch den Wald und durch die Zeit,

und alles ist wie ohne Alter:

die Landschaft, wie ein Vers im Psalter,

ist Ernst und Wucht und Ewigkeit.

 

Wie ist das klein, womit wir ringen,

was mit uns ringt, wie ist das groß;

ließen wir, ähnlicher den Dingen,

uns so vom großen Sturm bezwingen, -

wir würden weit und namenlos.

 

Was wir besiegen, ist das Kleine,

und der Erfolg selbst macht uns klein.

Das Ewige und Ungemeine

will nicht von uns gebogen sein.

Das ist der Engel, der den Ringern

des alten Testaments erschien:

wenn seiner Widersacher Sehnen

im Kampfe sich metallen dehnen,

fühlt er sie unter seinen Fingern

wie Saiten tiefer Melodien.

 

Wen dieser Engel überwand,

welcher so oft auf Kampf verzichtet,

der geht gerecht und aufgerichtet

und groß aus jener harten Hand,

die sich, wie formend, an ihn schmiegte.

Die Siege laden ihn nicht ein.

Sein Wachstum ist: der Tiefbesiegte

von immer Größerem zu sein.

Rainer Maria Rilke